Bedeutung von Biografiearbeit: Biografiearbeit ist bei Demenzkranken besonders wichtig

Biografieorientierte Altenpflege – darüber haben Sie bestimmt schon viel gelesen. Eine Altenpflege ohne Biografiearbeit ist nicht mehr denkbar und doch ist es auf der anderen Seite für viele Pflegeeinrichtungen nicht selbstverständlich. Wenn Sie einen nicht dementen Patienten z. B. nur 1-mal täglich medizinisch einreiben, ist die Biografie sicherlich nicht von allzu großer Bedeutung.

Versorgen Sie aber einen Patienten mit Demenz, sollten Sie die Biografiearbeit unbedingt nutzen. Denn der Verlust der Identität ist eines der Hauptsymptome der Erkrankung. Biografisches Arbeiten kann dem Identitätsverlust zwar nicht entgegenwirken oder gar die Erkrankung aufhalten, aber es sorgt dafür, dass Erkrankte eine Verbesserung ihrer Lebensqualität erfahren.

Kennen Sie die Biografie, können Sie bestimmte Handlungen verstehen

Im Pflegealltag gibt es immer wieder Situationen, in denen Sie sich fragen, wieso tut dieser Mensch das, was soll das denn jetzt?

Beispiel: Wieso deckt Frau Hase jeden Tag den Kaffeetisch für ihre Eltern die zum Kaffee kommen? Nachdem die Pflegekraft die Biografie von Frau Hase gelesen hatte, konnte sie das Verhalten besser nachvollziehen. Denn sie wusste nun anhand der Biografie von Frau Hase, welche Bedeutung das tägliche Kaffeetrinken mit den Eltern für Frau Hase hatte, da Frau Hase bis zum Tod ihrer Eltern in einer gemeinsamen Wohnung gelebt und ihre Eltern versorgt hat.

TIPPl Hinweis: Biografiearbeit ist eine Methode, die die Grundlage für Solidarität und Mitgefühl mit dem Demenzkranken schaffen kann. Sie bietet Ihnen die Möglichkeit, Menschen mit ihrem persönlichen Hintergrund besser kennen zu lernen. Durch diese Kenntnis erhalten Sie ein sehr vielschichtiges Bild, das es Ihnen erleichtert, den Demenzkranken angemessen im Alltag zu unterstützen.

Biografiearbeit mit älteren Menschen ist das Bemühen, Vergangenes durch unterschiedlichste Methoden in der Gegenwart zu rekonstruieren und für die Zukunft fruchtbar zu machen.

Vorteile für den Demenzkranken

Durch biografisches Arbeiten können Sie den dementiell veränderten Mensch darin unterstützen, dass er

  • sich in seiner eigenen Erinnerung wieder zu Hause fühlt,
  • durch die Rekonstruktion Vergangenes neu ordnen, bewerten, wieder beleben und vielleicht verarbeiten kann,
  • Gesprächsstoff für neue Kontaktaufnahmen hat,
  • sein eigenes Leben als etwas Einmaliges und Wertvolles wahrnimmt und
  • durch die Erinnerung aktuelle Gefühle des Versagens besser kompensieren kann.

Die Biografiearbeit bietet noch eine Reihe weiterer Vorteile:

  • Indem Sie als Pflegekraft den Demenzkranken immer wieder zum Erzählen ermutigen, wird das Langzeitgedächtnis durch die Unterstützung bei Erinnerungslücken aktiviert.
  • In ansprechender Atmosphäre wird das Erinnern und damit die Konzentration gefördert.
  • Ruhelosigkeit wird vermindert.
  • Die Erinnerungen stoßen neue Themen an und das Erzählen wird wieder vielfältiger.
  • Die Beschäftigung mit neuen Themen erzeugt Gefühle, wie z. B. Trauer und Gram, aber auch Freude und Hoffnung.
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Auch der Mensch mit Demenz hat ein Recht zum Vergessen

Wie Sie lesen konnten, hat die Biografiearbeit viele Vorteile. Doch wenn Ihnen Menschen einen Teil ihres Lebens anvertrauen, sollten Sie ihnen auch ein Recht zum Vergessen einräumen. Denn Vergessen ist für viele Menschen nicht nur Teil ihrer Erkrankung, sondern wird manchmal auch bewusst eingesetzt.

Es ist z. B. möglich, dass Betroffene auf Fotos oder Erinnerungsgegenstände aus ihrem Leben nicht reagieren möchten. Das Vergessen im Sinne von Sich-nicht-erinnern-wollen schützt vor Depressionen und aktueller Kränkung, denn nicht alles im Leben ist erfolgreich verlaufen oder konnte bewältigt werden. Daher sollten Sie als Pflegekraft diesen Punkt unbedingt respektieren.

Vorteile von Biografiearbeit für Pflegekräfte

Pflegekräfte, die sich mit der Lebensgeschichte ihrer Patienten auseinandersetzen,

  • eröffnen sich durch die Lebenserzählung des anderen Menschen neue Welten,
  • lernen den Erzählenden besser kennen und können die Stärken und Schwächen und seine Verhaltensweisen besser einschätzen und
  • können so die Beziehung zu dem Betroffenen langfristig entwickeln und vielfältiger gestalten.

Außerdem können die Pflegekräfte

  • aus dem Schatz von Erfahrung des Demenzkranken etwas für sich mitnehmen (Horizonterweiterung),
  • die eigene Kreativität erweitern,
  • einen bewussteren Umgang mit der eigenen Biografie entwickeln und
  • auch etwas von sich geben und aus ihrem Leben berichten.

Hinweis: Sie als Pflegekraft sollten immer auch bereit sein, aus Ihrem Leben zu erzählen.


Ziele der Biografiearbeit: Die Biografie Ihres Patienten ist der Grundstein für eine gute Pflege

Die Biografiearbeit ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer pflegerischen Arbeit. Sie erfüllen damit nicht nur eine Anforderung des MDK, sondern Sie legen mit ihr auch den Grundstein für eine gute Pflege. Denn je mehr Informationen Sie über die Lebensphasen und -erlebnisse Ihres Patienten haben, desto besser können Sie ihn und sein Verhalten verstehen.

Hinweis: Die Biografie hat insbesondere bei demenziell Erkrankten oder gerontopsychiatrischen Patienten eine hohe Bedeutung.

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Das sind die 7 wichtigsten Ziele der Biografiearbeit:

  1. Sie können die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Patienten schneller verstehen.
  2. Es kann eine Beziehungsbildung zwischen Patient, Angehörigen und Pflegemitarbeitern stattfinden.
  3. Es werden Ressourcen ermittelt und bei der Umsetzung von pflegerischen Maßnahmen einbezogen.
  4. Die Lebensgeschichte Ihres Patienten fließt in den Pflege- und Betreuungsalltag ein.
  5. Die Identität Ihres Patienten wird gestärkt.
  6. Sie bauen beim Patienten Vertrauen und Sicherheit auf.
  7. Die Biografiearbeit ist ein Kommunikationsmittel zwischen Ihnen und Ihrem Patienten.

Pflegeplanung als Umsetzung des Pflegeprozesses

Der Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit zielt auf die Pflege und Beschäftigung mit allen Aspekten des täglichen Lebens ab (ATL bzw. AEDL), die in der Pflegeplanung abgebildet werden. Die Pflegeplanung ist im Wesentlichen die konkrete Umsetzung des Pflegeprozesses. Der Pflegeprozess wird als Qualitätskreislauf verstanden, in dem immer wiederkehrend folgende Abläufe stattfinden:

  • Informationssammlungen,
  • Problemdefinition mit Ressourcenklärung,
  • Festlegung der Pflegeziele,
  • Planung der Pflegemaßnahmen,
  • Durchführung der Maßnahmen
  • und Evaluation der Pflege.

Achten Sie darauf, dass die Biografiearbeit bei diesen Abläufen berücksichtigt wird und sich die Biografie in der Pflegeplanung und in dem Pflegebericht widerspiegelt. Damit das überhaupt möglich ist, muss die Biografie sehr ausführlich sein und auf dem von Ihnen gewählten Pflegemodell basieren.

Biografiearbeit ist Teil der Informationssammlung

Der Pflegeprozess beginnt mit der Pflegeanamnese. Diese enthält Informationen über den Menschen zur individuellen Betreuung, die sich in den meisten Pflegeeinrichtungen an den ATL bzw. AEDL orientieren. Dieser Prozess beginnt, sobald der Demenzkranke von Ihrer Pflegeeinrichtung betreut und gepflegt wird. Vor Beginn der Pflege finden in der Regel Erstgespräche mit den Betroffenen selbst und seinen Angehörigen statt und es wird eine Pflegeanamnese erhoben.

Hier werden Informationen gesammelt, die den Pflegeprozess dokumentieren. Auch die Erhebung der biografischen Daten zählt zur Informationssammlung. Im Unterschied zur Pflegeanamnese sammeln Sie bei der Biografieerhebung persönliche Informationen über den älteren Menschen vor Beginn der Pflege.

Das sagen
„Kurz und knapp wird unsere gesamte Einrichtung von 'Demenz: Pflege und Betreuung kompakt' in allen Themen rund um Demenz auf dem Laufenden gehalten: Ob im Pflegebereich, bei der Betreuung und Kommunikation oder in allen rechtlichen Fragen, die Infos sind nicht nur topaktuell, sondern liefern uns auch kompetente Unterstützung im täglichen Umgang mit unseren Demenzkranken und ihren Angehörigen.“

Petra Wieczorek, Heimleiterin, AWO Seniorenpflegeheime, Suhl/Schönbrunn“

Hinweis: Beachten Sie, dass die Biografiearbeit nicht mit der Aufnahme Ihres Patienten aufhört, sondern kontinuierlich weitergeführt werden sollte.

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Anamnese und Biografie

Die Verwirrung in Bezug auf die Pflegeanamnese ist manchmal groß, denn der Begriff „Anamnese“ bedeutet so viel wie „aus der Vergangenheit heraus“. Trotzdem bezieht sich die Pflegeanamnese lediglich auf die pflegerische Vorgeschichte und den jetzigen pflegerischen Zustand, also auf den Ist-Zustand, und nicht auf die Vergangenheit. Die Biografie bezieht sich stets auf die Vergangenheit Ihres Kunden. Die Pflegeanamnese stellt den Ist-Zustand Ihres Kunden dar. Erst beides zusammen ergibt eine effektive und aussagekräftige Grundlage für die Pflegeplanung.

Dokumentieren Sie nie doppelt

Um Zeit und Arbeit zu sparen, sollten Sie nichts doppelt dokumentieren. Wenn Sie einen Aspekt in der Biografie erwähnt haben und Ihre Anamnese dort anknüpft, können Sie auf die Biografie verweisen. Dies gilt übrigens auch für die Pflegeplanung. Wenn Sie eine Aktualisierung vornehmen, setzen Sie stets Ihr Handzeichen und das Datum dahinter.

Beispiel: Die Angaben aus der Biografie und der Anamnese ergänzen sich

Daten aus der Biografie

Daten aus der Anamnese

Laut Aussage des Sohnes hat Herr Müller stets auf seine Figur geachtet und sich viel bewegt.

Herr Müller hat einen BMI von 19. Trotzdem werden hier keine Maßnahmen eingeleitet, denn nach der Biografie war Herr Müller immer schlank und legt auch heute Wert auf
seine Figur.

Herr Müller ist täglich stundenlang mit seinem Hund spazieren gegangen.

Heute leidet Herr Müller unter Schlafstörungen.
Er ist unruhig und umtriebig. Seinen Unmut merkt man ihm dann deutlich an. Außerdem schaut er dann immer das Bild von seinem verstorbenen Hund an.


Umsetzung in der Pflegepraxis: So gestalten Sie die Biografiearbeit in der Praxis

Wie Sie wissen, soll Ihnen die Biografiearbeit helfen, die Pflege adäquat und auf den Patienten bezogen zu planen und durchzuführen. Alle pflegerelevanten Daten können dort erhoben werden, z. B. welchen Hobbys er nachgegangen ist, ob er verheiratet war usw. Allerdings soll die biografische Erfassung der Daten nicht über eine strikte Abfragetechnik erfolgen. Hier sind Diskretion und Feingefühl gefragt.

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So können Sie biografische Daten Ihres Patienten erfassen:

  1. Erstgespräch: Zu Beginn der Pflege sollten Sie alle pflegerelevanten biografischen Daten erheben. Hier können Sie Ihren Patienten und dessen Angehörige befragen.
  2. Einzelgespräch: Vereinbaren Sie mit Ihrem Patienten einen Gesprächstermin für die gemeinsame Biografiearbeit. Erläutern Sie kurz die Absicht dieses Termins. Klären Sie mit dem Patienten ab, ob Angehörige an diesem Gespräch teilnehmen sollen. Wenn der Patient seine Angehörigen nicht dabeihaben möchte, fragen Sie, ob Sie die Angehörigen bei einem Extratermin befragen dürfen. Wenn ja, vereinbaren Sie mit den Angehörigen einen Extratermin.
  3. Gruppengespräch: Bieten Sie in regelmäßigen Abständen Gruppengespräche an und geben Sie Themen vor, z. B. Feste, Feiertage, Schulzeit, Familie usw.
  4. Während der Pflege: Auch während der pflegerischen Maßnahmen kommen immer wieder Informationen und Erlebnisse des Patienten zu Tage. Machen Sie Ihren Mitarbeitern bewusst, dass sie die bei der täglichen Pflege erhaltenen Informationen in der Biografie dokumentieren sollten.
  5. Aktivitätsorientierte Biografiearbeit: Diese Form zeichnet sich durch aktive Tätigkeiten mit Ihren Patienten aus.

Informieren Sie Ihre Patienten und deren Angehörige, wofür diese Informationen notwendig sind und wie diese für den pflegerischen Alltag genutzt werden.

Wenn Sie keine Informationen erhalten

In solch einer Situation können Sie nur Ihre eigenen Eindrücke über den Patienten dokumentieren; dies ist dann aber keine Biografie, sondern eine Einschätzung aus Ihrer Sicht. Dann bleibt die Biografie leer und Sie schreiben die Haltung des Patienten sachlich in den Pflegebericht.

So setzen Sie die Biografiearbeit Schritt für Schritt um:

  1. Lassen Sie sich bei der Biografie Zeit; niemand kann verlangen, dass Sie alles sofort aus dem Patienten herauskitzeln.
  2. Nutzen Sie Gesprächsmomente, um biografische Daten zu erheben.
  3. Beziehen Sie die Angehörigen mit ein; viele Angehörige sind froh, an der Pflege teilhaben zu können.
  4. Heften Sie den Biografiebogen in der Akte des Patienten ab.
  5. Sobald Sie neue Aspekte über den Patienten erfahren, sollten Sie diese der Biografie hinzufügen.
  6. Übertragen Sie bei der nächsten Pflegevisite alle wichtigen Daten in die Pflegeplanung, denn dies ist das Instrument für die tägliche Arbeit mit dem Patienten.
  7. Alle Abweichungen werden im Pflegebericht sporadisch erwähnt und immer wieder aufgenommen.

Hinweis: Es ist immer wünschenswert, eine Kommunikation anzuwenden, die Ihrem Gegenüber gerecht wird. Insbesondere wenn es sich dabei um einen demenziell veränderten Menschen handelt.


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Das gehört nicht in die Biografie

Was in der Biografie nicht aufgeschrieben werden darf, sind Informationen, die der Patient der Pflegekraft im Vertrauen mitteilt, z. B., dass der Patient jahrelang während seiner Ehe ein Verhältnis hatte, die Ehefrau dies jedoch bis heute nicht erfahren hat. Verboten sind auch Vermutungen der Pflegekräfte über den Patienten.

Checkliste: Das sollten Sie beachten, wenn Sie biografische Daten erheben

Schaffen Sie eine Vertrauensbasis zu dem Demenzpatienten und / oder den Angehörigen.

Begegnen Sie den Demenzkranken nicht nur formal, sondern mit Herzenswärme und ehrlicher Zuwendung.

Diskretion, Feingefühl und Sorgfalt sollten bei Gespräch ebenfalls selbstverständlich sein.

Unterscheiden Sie zwischen Dingen, die der Patient oder die Angehörigen Ihnen persönlich anvertrauen und dem, was dokumentiert werden sollte.

Beiläufige Äußerungen offenbaren wesentliche Einstellungen des Kranken und können Auskunft über die Biografie geben.

Befragen Sie den Demenzkranken selbst, wenn er sich noch selbst äußern kann.

Kann der Demenzkranke sich nicht mehr äußern, fragen Sie die Angehörigen gezielt nach: Familie (Eltern, Geschwistern, Kindern, Freunden, Verwandten) Werdegang (Schule, Beruf, Militär, Ruhestand) speziellen Fähigkeiten, Begabungen (praktisch, musisch, sozial) Schicksalsschlägen, Charakter, Marotten, Gewohnheiten usw.


Wir freuen uns auf ihre Teilnahme am Test!
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